„... und holen sie sich die Innovation von Phedweck & Co. zu einem sagenhaft günstigen Preis von 154 Euro. Nur heute und nur hier. Zögern sie nicht.“ Mit einem strahlenden Zahnpastalächeln blickte die überaus schlanke Frau mit dem sorgfältig gestylten Haar und dem unaufdringlichen Make-up geradeaus. Dann wurde es schwarz.

 Surrend fuhren die Verdunkelungsrollos nach oben. Draußen senkte sich bereits die Sonne dem Horizont entgegen. Bald war Feierabend. Begeistert schaute ein wohlgenährter Herr älteren Semesters in die Runde. Sein grauer Anzug mit dem blütenweißen Hemd und der dezent gemusterten Krawatte saß tadellos. „Nun, meine Herren und Damen“, sagte er nach einigen Sekunden, „was sagen sie zu der neuen Werbekampagne?“

Schweigen legte sich über den Raum. Keiner fand den Mut etwas zu sagen. Niemand wollte die Begeisterung des Mannes dämpfen oder gar in Unmut umschlagen lassen. Markus Götz war der erste, der sich verhalten räusperte. Als Leiter der Abteilung klinische Forschung sah er es als Verpflichtung an, hier etwas zu sagen. Schließlich kannte er wie kein anderer die Risiken des neuen Produktes.

„Also“, startete er einen zögerlichen Versuch, „die Werbung ist nicht schlecht. – Nur, - wir sollten vielleicht noch ein bisschen damit warten.“ Ein böser Blick des Senors streifte ihn. Geringschätzig wurde er taxiert. Markus räusperte sich erneut. „Die klinischen Tests sind noch nicht alle beendet“, fuhr er fort, „die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus ist nicht ausreichend getestet. Wir sollten die Langzeitstudie und die Test der Versuchsreihe Alpha 10 abwarten, bevor wir dieses Produkt der Öffentlichkeit vorstellen.“

Eine steile Falte des Unmutes bildete sich auf der Stirn des älteren Mannes. „Papperlapapp“, knurrte dieser ungehalten, „alle vorgeschriebenen Tests und Studien sind abgeschlossen. Dem Gesetz ist genüge getan. Wozu noch weitere Zeit verschwenden. – Wir brauchen ein neues Produkt auf dem Markt. Und das schnellstmöglich.“ Ein weiteres Räuspern lenkte seine Aufmerksamkeit auf einen anderen businesslike gekleideten Mann in der Runde. „Bei allem Respekt“, unterbrach ihn Holger Gersting, Produktleiter des Bereiches Diätkost, „gebe ich zu Bedenken, dass wir bereits Probleme mit einem nicht ausreichend getesteten Produkt hatten. – Wir sollten vermeiden, diese zu wiederholen, Herr Phedweck.“

Unwirsch fegte Stefan Phedweck imaginäre Krümel von seinem Tisch. Dann ließ er seine Hand auf die Tischplatte fallen. Das so entstandene Geräusch glich einem kleinen Donnerschlag. Er erhob sich. Mit zwei Handgriffen strich er sein Sakko glatt. „Ich wünsche keine weiteren Diskussionen“, sagte er scharf, „das Produkt wird in zwei Monaten auf den Markt gebracht. Die Marketingabteilung soll unverzüglich mit der Werbung beginnen.“ Man sah ihm an, dass er keinen weiteren Widerspruch gelten lassen würde. Missgelaunt und ohne ein weiteres Wort verließ er den Konferenzraum.

 Stumm sahen die Männer und Frauen, die an dem neuen Produkt „Diätwunder“ mitgearbeitet hatten, ihm hinterher. Einige von ihnen verärgert, andere ergeben. Ein paar schüttelten gar den Kopf über diese Unvernunft. Schon etliche Male hatte das rücksichtslose Vorgehen Stefan Phedwecks vielversprechende Produkte scheitern lassen. Andererseits gab es eine Reihe von Entwicklungen, die sich gerade deswegen gut verkaufen ließen. Nachdenklich verließen sie den Raum. Es gab nichts mehr zu bereden. Was der alte Phedweck sagte, war Gesetz und wurde so umgesetzt. Ob es nun klug war oder nicht.

Markus Görtz war wütend, als er aus dem Konferenzraum stürmte. Weniger auf seinen Boss, als auf sich selbst. Er hätte seine Bedenken mit mehr Nachdruck äußern müssen. Schließlich kannte er jedes einzelne Molekül des neuen Produktes und damit die Risiken und Nebenwirkungen. Trotz zahlreicher Veränderungen an der Rezeptur gab es immer noch unerwünschte Nebenwirkungen.

 Klar, der alte Phedweck hatte Recht. Die vorgeschriebenen Tests waren alle erfolgreich beendet worden. Manche zwar gerade im Grenzbereich, doch dem Gesetz war tatsächlich genüge getan worden. Aber reichte dies aus? Markus‘ Mitarbeiter in der Abteilung teilten seine Meinung. Einige Studien waren nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse zudem nicht ermutigend. Es war nicht auszudenken, was für ein Schaden entstehen konnte, wenn ein solch drastisches Diätmittel nicht ausreichend getestet war. Schließlich griff es direkt in den Fetthaushalt des Körpers ein. Doch die Anweisung von Phedweck war eindeutig. Wohl oder übel musste er sich fügen, wenn er seinen Job behalten wollte.

 Eine Woche später schlenderte er durch die Stadt. Düster nahm er die unterschiedlichen Werbemedien wahr. Die Marketingabteilung hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Und dies in der kurzen Zeit. Von überall her lächelte ihn die Zahnpastafrau an.

 „Kaufen Sie das neue Diätwunder von Phedweck & Co. Machen Sie sich die neuesten Ergebnisse der Forschung zu nutze. Abnehmen ohne Mühe. Die Fettpolster schmelzen dahin.“

„Erleben Sie das Wunder - Diätwunder. Vier Pfund in nur einer Woche! Sagenhafte Erfolge.“

„Nehmen sie Diätwunder von Phedweck & Co. Finden Sie zu einem neuen Gewicht. Kein lästiges Kalorienzählen, keine Einschränkung der gewohnten Genüsse.“

„Dreimal täglich Diätwunder und das Fett schmilzt wie Butter in der Sonne.“

„Schon in kurzer Zeit sichtbare Ergebnisse. Überraschen Sie mit einer neuen Figur. Entdecken Sie ihr neues Ich.“

 Ein schaler Geschmack breitete sich in Markus Mund aus. Er bereute es, nicht mit mehr Nachdruck dagegen protestiert zu haben. Seufzend bahnte er sich seinen Weg durch die überfüllten Straßen. Er hasste diesen Feierabendverkehr. Als er zu Hause die Türe hereinkam, hörte er bereits die Fernsehwerbung. Nicht einmal in seinen eigenen vier Wänden wurde er von der penetranten Werbung für Diätwunder verschont.

„...auf dem Markt. Die Innovation von Phedweck & Co. – Haben Sie Problemzonen? Sind Sie unzufrieden mit ihrer Figur? Haben Sie zu viele Fettpölsterchen? Aber Fitnessstudio ist zu lästig und Sie haben eigentlich auch dazu keine Zeit? Und Diäten kennen Sie bereits in und auswendig? Und mit jeder Diät steigt das Gewicht, anstelle zu schwinden? Vergessen Sie jeden Diätplan! Vergessen Sie Waage und Kalorienzählen. Kaufen Sie Diätwunder, die Neuheit auf dem Markt. Nur dreimal täglich Diätwunder und Sie werden bereits in der ersten Woche sichtbare Ergebnisse sehen. ...“

„Hallo, Schatz“, begrüßte er seine Frau, die gebannt auf den Fernseher starrte. „Hallo, Liebes“, antwortet sie geistesabwesend, „du hast mir nicht erzählt, dass ihr ein neues Diätmittel entwickelt habt.“ Sofort war Markus auf der Hut. Die Stimme klang leicht gereizt. „Du weisst doch, dass wir über Firmeninterna nicht reden dürfen“, antwortete er vorsichtig, „darunter fällt auch die Entwicklung neuer Produkte.“

Er erntete einen vorwurfsvollen Blick. Seine Frau kämpfte stets mit dem Gewicht. Ihre Figur fand er zwar sexy und sehenswert, doch in den Augen seiner Frau waren immer irgendwo ein paar Gramm Fett zuviel. Selbst die Kinder wurden hiervon nicht verschont. Elke zählte jede Kalorie, welche von den Kindern verspeist wurde. Dabei waren beiden nicht einmal in der Pubertät.

„Aber gerade so ein fabelhafter Fatburner“, maulte sie, „du weisst doch, dass ich keine Zeit für Workout und dreimal die Woche Fitnessstudio habe. Es reicht mir ständig Diät zu halten. Schaue ich nur ein Stück Schokolade an, habe ich zwei Pfund mehr.“ Liebevoll blickte er sie an. „Du bist schön, so wie du bist“, nuschelte er und nahm sie in den Arm.

Beleidigt schob sie ihn von sich. „Du nimmst mich nicht ernst“, antwortete sie grummelnd, „bring‘ mir von dem neuen Zeug da mit. Du kommst doch am ehesten da dran.“ Verärgert schüttelte er den Kopf. „Nein“, entgegnete er harsch, „ich bringe gar nichts mit. Ich will nicht, dass du das schluckst. Es ist zu gefährlich.“ Ein vernichtender Blick traf ihn.

„Wenn es wirklich so gefährlich wäre, würde es nicht verkauft werden“, entgegnete sie scharf, „du willst nur, dass ich fett bleibe.“ Ohne ein weiteres Wort zu sagen, rauschte Elke hinaus. Markus hörte, wie die Tür ins Schloss fiel. So wütend hatte er seine Frau seit einigen Monaten nicht mehr erlebt. Was war nur los? Warum waren Frauen nur so erpicht darauf ihren Körper zu malträtieren? Konnten sie nicht mit dem zufrieden sein, was Gott ihnen gegeben hatte oder auch nicht? Warum mussten sie sich immer wieder an irgendwelchen dürren Modells aus den kitschigen Modezeitschriften orientieren? Jeder wusste doch, dass kaum eine Frau diesem Ideal entsprach!

Kopfschüttelnd entledigte er sich seines Mantels und ging zielstrebig auf die Hausbar zu. Ein kleiner Schluck Cognac würde ihn entspannen und die kommenden Tage erträglicher machen. Er konnte fast darauf wetten, dass die nächste Zeit alles andere als angenehm werden würde. Streit war nie gut, aber was sollte er machen? Schließlich war er davon überzeugt, das Richtige zu tun. Sie würde wieder zur Vernunft kommen. Dessen war er sich sicher.

 Die nächsten Wochen waren angefüllt mit Arbeit. Markus kam nicht einmal mehr zum Nachdenken. Der alte Phedweck forderte Überstunden von allen Beteiligten. Diätwunder sollte der Verkaufsschlager des Jahres werden. Sein Zuhause sah Markus meist nur noch in der Nacht, wenn er spät in sein Bett kroch. Müde und abgekämpft. Elke, seine Frau, sah er sehr selten. Oft war es nur ihr abgedroschenes „Tschüß, Liebling“ was er hörte, bevor die Tür ins Schloß fiel und sie zu ihrer Arbeit fuhr. Die Kinder nahm sie mit und setzte sie an der Schule ab.

Markus seufzte. Selbst für seine Kinder hatte er momentan keine Zeit mehr. Er hoffte, dass sich die Zeiten änderten, wenn Diätwunder erst etabliert war und die Langzeitstudien abgeschlossen waren. Schließlich vermisste er das Spielen, Balgen und Toben mit seinen beiden Wildfängen.

 Als er dann einmal nach Hause kam, war es merkwürdig ruhig in der Wohnung. Zwar lief der Fernseher, aber ansonsten fehlte jedes Anzeichen von Leben. „...  mit Grapefruitpresssaft. Das neueste Mittel gegen das Hungergefühl. Vertrauen Sie den Diätprodukten von Figusan.  – Und wenn Sie sich jetzt zum Kauf entschließen, so erhalten Sie für den sagenhaften Preis von 230 Euro für eine Monatspackung zusätzlich diese hervorragenden Massagekugeln ...“

Markus stellte den Fernseher ab. Diese ständigen Werbesendungen nervten. Vor allem konnte er das Wort „Diät“ nicht mehr hören. „Elke“, rief er verwundert. Normalerweise wäre sie längst zu Hause. Auch die Kinder fehlten. Die Stille in der Wohnung gefiel ihm nicht. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus.

Zögernd machte er Licht. Ein Fuß lag neben der Couch. Elkes Fuß. Mehr war nicht zu sehen. Sein Herz krampfte sich zusammen. Mit zwei Schritten war er neben ihr. Sie war offensichtlich zusammengebrochen. Ihr Gesicht zu Boden gerichtet. Das wundervolle ehemals braune Haar wie ein Vorhang darüber. Nun war es stumpf. Jegliche Farbe schien gewichen. Vorsichtig berührte Markus den merkwürdig mageren Arm. Er tastete nach dem Puls, doch er konnte ihn nicht finden.

Leere breitete sich in ihm aus. Leere und Entsetzen. Was war geschehen? Wo waren Sandra und Michael? Taumelnd erhob er sich. Wie im Traum ging er durch die Wohnung. Machte überall Licht. In der Küche, dem Schlafzimmer, dem Arbeitszimmer. Dann betrat er Sandras Zimmer, nachdem er vorsichtig angeklopft hatte. Es war leer. Erleichtert seufzte er auf. Auch an Michaels Tür klopfte er, bevor er eintrat. Auch dieses war leer. Unaufgeräumt wie immer, aber leer. Ein Stoßgebet schickte er zum Himmel. Dann machte er im Bad Licht. Und schrak zusammen.

Neben der Badewanne lag seine Tochter Sandra. Ihr Kopf ruhte auf dem mit Erbrochenem besudelten WC. Ihre Haut faltig und grau. Markus stützte sich im Türrahmen. Er musste jemanden anrufen! Etwas musste er tun!

Mit Tränen in den Augen suchte er das Telefon. Kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Als er schließlich die Nummer des Notdienstes wählte, war er sich nicht im Klaren über das, was geschehen war.

 Nur Minuten später traf der Notarzt ein. Zehn Minuten danach kam die Polizei. Wie in Trance ließ Markus alles geschehen. Eine dicke Schicht Watte umgab ihn. Wortfetzen drangen an sein Ohr. Männer in Uniform rannten hektisch durch die Wohnung. Er sah einen Sanitäter mit einer Infusion unter dem Arm geklemmt an sich vorbei hasten. Polizei überall. Blitzlicht blendete ihn. Fragen wurden gestellt, die er nicht beantworten konnte. Schließlich sank er zusammen. Ein Häufchen Elend. Unfähig eines Wortes oder einer Geste. Nur am Rande nahm er wahr, dass man ihn in einen Krankenwagen brachte. Ein scharfer Picks ließ ihn kurz zusammenzucken. Dann wurde es dunkel um ihn.

 Er erwachte einen Tag später im örtlichen Krankenhaus. Kaum hatte er die Augen aufgeschlagen, als ein Polizeibeamter das Zimmer betrat. „Es freut mich, dass sie wieder bei Bewusstsein sind, Herr Götz“, grüßte dieser, „mein Name ist Harald Lipowski, von der Kripo Frankfurt. – Sind sie in der Lage ein paar Fragen zu beantworten?“ Demonstrativ legte er ein kleines Diktiergerät auf den Tisch des Nachtschränkchens.

Ergeben nickte Markus. Was sollte er auch sonst tun? Seine Familie war tot. Tränen schossen ihm in die Augen. „Fragen sie nur“, entgegnete er mit gebrochener Stimme. „Erst einmal eine gute Nachricht“, fing Harald Lipowski an, „ihre Tochter hat überlebt. Der Notarzt stellte noch einen Puls fest und schwache Atmung.“ Markus schoss in die Höhe. Entgeistert starrte er den Polizisten an. „Was sagen sie da“, hauchte er, „meine Tochter lebt?“ Die Tränen der Freude konnte er nicht zurückhalten. Warm und salzig liefen sie über seine Wangen.

„Leider hatten ihre Frau und ihr Sohn nicht soviel Glück“, berichtete Harald Lipowski, „ihr Sohn Michael wurde zwei Straßen weiter in dem Fitnessstudio gefunden. Der Trainer der Jugendgruppe hatte ihn auf der Toilette der Umkleidekabinen gefunden. Aber jede Hilfe kam zu spät. Allerdings stellte der Gerichtsmediziner bei beiden etwas äußerst merkwürdiges fest. - Keiner von beiden besaß Körperfett in irgendeiner Form. Nichts, nada, überhaupt kein klitzekleines Fettzellchen. Auch bei ihrer Tochter konnte eine starke Entfettung festgestellt werden. Können sie sich das erklären?“

Mit offenem Mund hatte Markus dem Polizisten gelauscht. Was sagte dieser Lipowski? Keine Fettzellen? Nichts? Was, wenn ... Er mochte den Gedanken nicht zu Ende führen. „Außerdem wurde der Mageninhalt der Toten überprüft“, fuhr der Polizist fort, „bei ihrer Frau konnten noch Kapseln festgestellt werden, wie sie für Medikamente verwendet werden. So wie die Grippetabletten ...“ „Oh, nein“, hauchte Markus entsetzt.

Vor seinem inneren Auge sah er was geschehen war. Elke musste in ihrem Schlankheitswahn zuviel von Diätwunder geschluckt. Statt der vorgeschriebenen Menge das Doppelte oder Dreifache oder noch mehr. Bis der Körper alles Fett verbrannt hatte und nichts mehr da war, wovon Diätwunder zehren konnte. Doch ohne Fett kann der Mensch nicht existieren. Da Elke wohl immer weiter Diätwunder in großen Mengen zu sich genommen hatte, ohne die dafür notwendige Fettmenge zu besitzen, katalysierte Diätwunder kurzerhand zu einem wirksamen Zellgift. Markus hatte dieses Phänomen bei Laborratten gesehen. Es griff nun nicht nur die Fettzellen an, sondern generell alle Zellen, mit denen es in Kontakt kam. Offensichtlich war es nicht gelungen diese unerwünschte Nebenwirkung erfolgreich zu eliminieren. Den Schock, der dadurch hervorgerufen wurde, hatte Elkes Körper nicht verkraften können.

Es grenzte an ein Wunder, dass Sandra gerettet wurde. Womöglich konnte sie einen Großteil der Kapseln erbrechen, bevor diese ihre Wirkung entfalten konnten. Er hatte Sandra schon seit langem im Verdacht sich erfolgreich gegen Elkes Diättreiberei zu erwehren. Ihr Trotz der Mutter gegenüber schien nun ihre Rettung gewesen zu sein. Michael, sein Sohn hatte nicht so viel Glück. Er war immer derjenige gewesen, der blind Elke vertraut hatte. Sie schickte ihn in Sportvereine und ins Fitnessstudio, obwohl er erst zehn Jahre alt geworden war. Doch nun würde er nie wieder einen Fußball schießen. Elke hatte offensichtlich in ihrem Schlankheitswahn auch ihm Diätwunder gegeben.

Tränen flossen Markus über das Gesicht. Er schämte sich ihrer nicht. Nach einigen Minuten reichte Harald Lipowski ihm mitfühlend ein Taschentuch. Dankbar nahm Markus es an. Er schneuzte. Kurz blickte er aus dem Fenster. Gegenüber auf der Hauswand prangte eine Reklame.

„Diätwunder. Das neue Mittel gegen lästige Fettpolster.“

Hass stieg in ihm auf. Sein Blick gefror. „Was wollen sie wissen“, sagte er hart, „ich sage ihnen alles, was ich weiß.“

„Dann wollen wir mal anfangen“, antwortete Harald Lipowski, „sie arbeiten für Phedweck & Co.? Können sie uns ....“

Stunden vergingen, bis Harald Lipowski jede Einzelheit erfahren hatte. Nach dem er schließlich Markus verlassen hatte, sah dieser hinauf zum Sternenhimmel.

„Ich hoffe, dass ich dir wenigstens im Tode noch helfen konnte“, flüsterte er heiser, „wenn ich es schon im Leben nicht konnte. – Michael, vergib mir, dass ich nicht da war um dich zu beschützen. – Ich verspreche die, ich werde es an deiner Schwester wieder gut machen.“

Lange lag er wach und grübelte. Nun hatte er endlich das Richtige getan. Er war erleichtert, nun da alles vorbei war. Aber musste der Preis dafür so hoch sein?

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