Geboren aus Feuer

Weiße Glut. Gleißend und hell. Bewegung im Meer lodernder Flammen. Winzigkeit und Größe in einem. Suchen. Finden. Verschmelzen. Stoßen sich ab. Wabernde Feuer. Mahlende Massen. Lärm. Unendliche Hitze. Es zieht sich zusammen. Verdichtet sich. Einander finden. Langsames Umrunden. Abwägen. Warten auf den entscheidenden Impuls. Träges Schweben im Inferno eines Glutofens. Aneinanderprallen. Verzehrendes Feuer, dass nicht einmal Asche hinterlässt. Unmerkliche Kühle. Sanftes Glimmen. Ein Sog. Andere? Sind dort andere? Fühler, die sich nach außen strecken. Wellen breiten sich kaum merklich aus.

Vibrieren im Gleichklang einer unhörbaren Melodie. Allmähliches Anschwellen einer ewigen Triebfeder. Es wird stärker. Drängt auf einen Punkt. Die Hitze steigt. Wirbel entstehen aus dem Nichts. Immer schneller und schneller. Einsam? Nein, Zweisam. Nein, Vielsam. Was ist das? Heißer und heißer. Unendlicher Schmerz. Es reisst und drängt. Anziehen und Wegstoßen. Verschmelzen zu einem Ganzen in einer gewaltigen Explosion. Es drängt nach außen. Hinauf. Hinaus. Weg vom Ursprung. Aufsteigen. Dem Schmelzofen entkommen.

Es gibt nur einen Weg. Die Hitze steigt. Immer stärker. Immer schneller. Immer heißer. Glut wirbelt. Feuer brennt. Feuer? Kein Feuer mehr. Unendliche Hitze. Asche verglüht in einem Augenblick. Es zerrt und zerreißt. Brennt und fordert. Immer weiter. Ausdehnen und Zusammenziehen. Hitze. Weiter. Schmerz. Schmerz? Es gibt keinen Schmerz. Oder doch? Pulsierende Glut in einem immerwährenden Kreislauf. Immerwährend? Scheinbar. Irgendwann schließt sich der Kreis. Niemand wird es bemerken. Niemand hört zu. Oder doch? Sieht jemand die Dunkelheit des endlichen Feuers? Wirbelnde Flammen. Höher. Weiter. Es reißt. Befreit. Aufatmen. Zusammenfallen. Loslösen. Kühle umfängt wohltuend einen willkommenen Gast. Erleichterung. Entsetzen. Angst. Angst? Wovor? Heißer Odem findet den Weg durch ewige Kälte.

Freiheit! Treiben in der sanften Umarmung der entfernenden Wärme. Schweben. Driften. Immer weiter. Es wird kalt. Immer kälter. Frieren. Verlust der behaglichen Höhle. Bedauern des Schmerzes. Erstarren. Vergehen. Verglühen. Der lodernde Atem gefriert. Wird zu sanftem Wind. Zerfasert, vergeht in einem Augenblick. Berührt kaum spürbar deine Wangen, während du dein nasses Gesicht der Sonne entgegenstreckst. Winzige Partikel finden ihren Weg. Ein verschwindender Hauch berührt deine Seele. Der Funke glimmt sanft. Spürst du die Wärme? Kannst du das Leben fühlen?

Du hebst die Arme. In dir breitet sich die Wärme aus. Wärme, die du lange gespürt hast. Wärme, die durch die plötzliche Kälte vertrieben wurde. Mit deinen Augen blickst du hinauf in das gleißende Licht, dass die Feuchtigkeit von deinem Antlitz streichelt. Du blinzelst. Weisst nicht, was das dort oben ist. Doch du fühlst dich wohl. Du fühlst den Einklang. Das zarte Klingen einer lautlosen Saite. Wohlige Wärme. Ein zufriedenes Glucksen entfährt dir.

eingeschickt zu AG WORT e. V., Freiberger Lesehefte, Thema "Feuerspiele", Dezember 2003

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