Tag 1, persönliches Tagebuch: 

Es war heiß. Die Sonne rief flirrende, tanzende Spiegelungen über dem Wüstensand hervor. In der Ferne sah ich Felsformationen aufragen. Schon von weitem waren die Gebäude zu erkennen. Eine Glaskuppel ragte in den Himmel. Die Strahlen der Sonne brachen sich in den wabenartigen Strukturen. Dahinter schimmerte es grün wie in einer Oase. Ein überwältigender Anblick! Der Jeep näherte sich dem übermannshohen Zaun aus Stacheldraht. Dieser schien an seinen Spitzen elektrisch geladen zu sein. Ein stark bewachtes Tor verwehrte uns die Durchfahrt. Der Fahrer meldete uns an. Mir fiel auf, dass der Wachtposten schwerbewaffnet war. Nicht ungewöhnlich für ein Projekt dieser Größenordnung und Geheimhaltungsstufe. Auf einer Liste hakte er etwas ab. Möglicherweise, dass wir pünktlich eingetroffen waren. Begleitet von einem leichten Summton schwang das Tor auf. Jetzt erst konnten wir die Fahrt fortsetzen. Auf dem Rücksitz rutschte ich hin und her. Ich war aufgeregt, wie zuletzt kurz vor meiner Promotion. Mir war klar, dass mich viele beneideten. Schließlich hatte ich Frischling den großen Sprung direkt von der Universität in dieses gigantische Projekt geschafft. Etwas, was vielen versierten Wissenschaftlern verwehrt blieb. Ich kann es immer noch nicht fassen, das Gentec Industries gerade mich, Mark Maripuna, für das Projekt Biosphere-21 ausgewählt hat! Dann endlich ragte der Gebäudekomplex vor uns auf. Über allem die riesige Glaskuppel der eigentlichen Biosphäre. Dahinter konnte ich bereits die reiche Vegetation erkennen. Ich kann nicht leugnen, dass ich von Neugier geplagt wurde. Alles, was ich sehen konnte, versuchte ich in mir aufzunehmen. Jetzt danke ich Gott dafür, dass er mich mit einem hervorragenden Gedächtnis ausgestattete hatte. Meine Aufregung nahm sogar noch zu, als ich das Hauptgebäude betrat. Den größten Teil der Formalitäten hatte ich zum Glück bereits bei Gentec Industries hinter mich gebracht. Hier auf dem Biosphere-Gelände erwartete mich nur noch eine abschließende medizinische Untersuchung. Die Ärztin war Dr. Marina Marpuk, die verantwortliche medizinische Betreuerin im Biosphere-Programm. Erst als sie mir bestätigte, dass ich gesund war und mir die restlichen Impfungen verabreicht hatte, durfte ich die Glaskuppel der Sphäre betreten. Hier werde ich die nächsten fünf Jahre meines Lebens verbringen. Mein Vater wäre stolz auf mich gewesen. Ich bedauere zutiefst, dass er vor einem Jahr aus unserer Mitte gerissen wurde. Aber Mum darf ich nicht vergessen. Ich werde gleich noch einen Brief an sie schreiben, dass es mir gut geht. 

Tag 10, persönliches Tagebuch: 

Mittlerweile habe ich mich an den Tagesablauf hier in der Biosphäre gewöhnt. Sie ist in fünf Bereiche unterteilt, die hermetisch voneinander abgeriegelt sind. Mehrere Ringe mit Außenlabors, Versuchstierzuchtanlagen und diversen anderen Einrichtungen, die ein Funktionieren der Biosphäre ermöglichen, umgeben die riesige Glaskonstruktion. Vier weitere Wissenschaftler leben, wie ich, hier direkt in der Kuppel. Allerdings dürfen wir uns nur im geschlossenen Sicherheitsanzug begegnen. Keiner hat Zutritt zu den anderen Abteilungen. Die Kontaminationsgefahr ist zu groß. Schließlich arbeiten wir hier nicht mit irgendwelchen grobschlächtigen Dingen. Feinste Genmanipulation ist unsere Aufgabe. Ich entwickle widerstandsfähige Getreide, die unter extremsten Bedingungen möglichst frei von Schädlingen gedeihen sollen. Anna Martinez ist mit Kohlsorten beschäftigt. Pia Mari Nurmak versucht sich an Nachtschattengewächsen. Mike Peterson entwickelt eine neue, angepasste Sorte Rind und Ramon Zamekis forscht an Nutzvögeln. Alles in allem ein bunt gemischter Haufen. Ich muss gestehen, ich hatte angenommen, das wir innerhalb der Sphäre normal mit einander leben würden. Leider ist dies nicht der Fall. Ich bedauere das zutiefst, denn diese Anna Martinez scheint mir eine sehr angenehme Person zu sein, die ich gerne näher kennen lernen möchte. Vielleicht ergibt sich irgendwann die Gelegenheit. Vielleicht können wir die Anzüge nach einiger Zeit ablegen. Nach einigen Monaten müsste sich unsere Körperchemie schließlich der Sphäre angepasst haben. Im Vertrag steht zwar, dass wir die Dinger ständig außerhalb unserer privaten Räume tragen sollen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das für die gesamten fünf Jahre gelten soll. Ich habe immer noch leichten Kopfschmerz. Das muss eine Nebenwirkung von den Impfungen sein. 

Tag 25, persönliches Tagebuch:

 Die ersten Versuchsreihen laufen. Bisher traten keine besonderen Vorkommnisse auf. Bald ist der erste Monat vorbei. Heute Abend schreibe ich Mum. Sie freut sich bestimmt, Neues von mir zu hören. Die Arbeit macht mir auch sehr viel Spaß. Ab und zu werde ich noch von Kopfschmerzen geplagt. Meine Mum hätte mich früher schon mal impfen lassen sollen! Dann hätte ich mir etliche Stunden Kopfschmerzen und Juckreiz sparen können. Ich kann nicht verstehen, warum sie es nicht getan hat. Waren die Impfungen so teuer ? Kostet das eigentlich für Kinder genauso viel wie für Erwachsene? Oder war sie einfach davon überzeugt das Impfungen nichts bewirken ? Wollte sie mir die Nebenwirkungen ersparen ? Sie konnte schließlich nicht wissen, dass ich dieses Zeug irgendwann benötigen würde. In ein paar Tagen muss ich erneut zur Untersuchung. Die bei Gentec sind mit ihren Mitarbeitern sehr gründlich. Sämtliche Wissenschaftler, die hier innerhalb der Biosphäre arbeiten, müssen alle vier Wochen zur medizinischen Untersuchung. Von dieser Vorsorgemaßnahme hörte ich hier das erste Mal. In keinem anderen Labor wird so gründlich mit den Mitarbeitern verfahren. Höchstens vielleicht im National Desease Control.

 

Tag 35, Labortagebuch:

 Versuchsreihe FT35. Keimdauer normal. Aussehen der Setzlinge ohne besondere auffällige Merkmale. Farbe perfekt grün. Höchstens eine Kleinigkeit zu intensiv. Geruch unauffällig. Standelastizität gegeben. Kein Befall von Schädlingen. Sieht vielversprechend aus. Treibhaus für 10 Tage. Danach ins Freigelände. Test mit Schädlingen der Stufe 1.

 

  Tag 40, persönliches Tagebuch:

 Meine Versuche laufen gut. Ich denke, dass ich vor Ablauf meiner Vertragsfrist hier fertig bin. Was mache ich dann bloß? Bis jetzt sind die Versuchsreihen alle sehr vielversprechend. Ob sie wirklich halten, was in der Computersimulation vorgespielt wurde, wird sich zeigen. Heute haben wir die Reihen FT1 bis 10 ausgesetzt. Ich bin selber gespannt, ob sie sich gut entwickeln.

Leider habe ich von Mum noch nichts gehört. Ob es ihr gut geht? Telefonieren nach draußen ist leider mit sehr viel Aufwand und Sicherheitsvorkehrungen verbunden. Dabei wird auch alles aufgezeichnet. So hat man es uns jedenfalls bei der Vertragsunterschrift gesagt. Man hatte uns sogar davon abgeraten zu telefonieren. Irgendwie kann ich die bei Gentec sogar verstehen. Das ist ein geheimes Projekt und soll auch möglichst geheim bleiben. Wenn durch eine Unvorsichtigkeit von uns Informationen nach außen gelangen - nicht auszudenken! Den Job wäre man dann los. Und wahrscheinlich auch seinen Ruf. Ob man in so einem Fall überhaupt jemals wieder eine Anstellung für ein solches Projekt bekommt, ist fraglich. Also werde ich alles vermeiden, was meiner Karriere schaden könnte.

Trotzdem würde so ich gerne Mums Stimme hören! Das würde mich beruhigen. Ich habe seit der letzten Untersuchung vor zehn Tagen einen merkwürdigen Ausschlag. Das hatte ich auch schon der Ärztin gemeldet. Die Salbe, die sie mir gab, hilft allerdings reichlich wenig. Morgen werde ich sie erneut aufsuchen. Schließlich will ich meine Arbeit nicht gefährden.

Ich mache mir Sorgen um Mum. Jeden Abend bete ich zu Gott, dass er sie beschützt. Sie ist doch alles, was ich habe.

Tag 93, persönliches Tagebuch:

 Vor drei Tagen war ich wieder zu einer Untersuchung. Jedes Mal bekomme ich irgend etwas anderes injiziert. Alles, um mich gesund und munter zu erhalten. Ich hatte mich die letzten zwei Wochen richtig mies gefühlt. Die Ärztin hatte auch keine richtige Erklärung dafür. Sie meinte, mein Körper würde unter der Anpassung an die Biosphäre leiden. Muss die nicht langsam abgeschlossen sein ? Nun denn, sie gab mir ein paar Spritzen mit Aufbaupräparaten. Mal sehen, ob die was bewirken.

Nur die Briefe von Mum haben mich aufgemuntert. Leider erreichen diese mich nur mit Zeitverzögerung. Jeder Brief, der an uns geschickt wird oder den wir hinaus schreiben, durchläuft die Sicherheitsabteilung. So soll gewährleistet werden, dass keine firmeninternen oder geheimen Informationen nach draußen gelangen. Das ist zwar eigentlich eine Verletzung unserer Privatssphäre, aber letztendlich hat man uns davon in Kenntnis gesetzt, bevor wir hier angefangen haben. Im Vertrag mussten wir auch unser Einverständnis zu dieser Maßnahme geben. Es wird äußerst viel Wirbel um die Sicherheit gemacht. Meiner Meinung nach zuviel. Aber okay, ich leite diesen Laden schließlich nicht. Und ich bin vielleicht auch zu jung, um darüber urteilen zu können.

Bei der Untersuchung habe ich mich richtig durchchecken lassen. Körperlich scheint alles in Ordnung zu sein. Warum fühle ich mich trotzdem so schlapp? Ich ernähre mich gesund, treibe Sport und vermeide alles, was mich kontaminieren könnte. Na ja, vielleicht ist es nur eine Erkältung.

 

Tag 115, Labortagebuch:

 Versuchsreihe RV67. Keimdauer geringfügig erhöht. Benötigt mehr Wärme. Gemessen wurden 2° mehr als gewöhnlich. Wasserbedarf niedrig. Setzlinge ohne besondere Merkmale. Wurzeln außergewöhnlich kräftig. Satte grüne Färbung mit leichten hellgrünen Sprengseln. Geruch unauffällig. Standelastizität normal. Kein Befall von Schädlingen. Aussetzen ins Freiland für morgen vorgesehen. Test mit Schädlingen der Stufe 3.

 

 Tag 117, persönliches Tagebuch:

 Ich bin zerstört. Am Boden zerstört. Dr. Marpuk kam heute selber in die Sphäre. Mum ist tot! Sie sagte mir, dass ihr Herz versagt habe. Mum...! Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht, was ich denken soll. Alles ist so leer. So unsinnig. So ohne Bedeutung. Ich kann ihr noch nicht einmal die letzte Ehre erweisen. Ich kann sie nicht einmal ein letztes Mal sehen. Ihr Gesicht ... ihr wunderschönes Gesicht. Oh Mum, ... warum musstest du gehen? Ausgerechnet jetzt! Sie sagten, dass du im Schlaf gestorben seiest. ... Und ich war nicht bei dir, um dir die Hand zu halten. ... Ich bin so leer. ... Warum hast du mich verlassen? ... Dr. Marpuk hat mir versichert, dass sie dir ein gutes Begräbnis ausrichten werden. Ich darf hier nicht weg. Mein Vertrag bindet mich. ... Mum, komm zurück. Ich weiß nicht, was ich ohne dich anfangen soll. Mum?

 Tag 141, persönliches Tagebuch:

 Seit Mums Tod ist nichts mehr wie es war. Es fehlt mir der Antrieb. Außerdem fühle ich mich schlapp und ohne Energie. So etwas bin ich nicht gewohnt. Bisher war ich nie ernsthaft krank oder gar depressiv. Ich wußte bisher nicht, wie man das sein kann. Doch jetzt kann ich mitfühlen. Jetzt weiß ich, wie sich jemand mit Depressionen fühlt. Ich hoffe nur, dass meine Arbeit nicht darunter leidet. Sonst werde ich vielleicht aus dem Projekt genommen.

Bei der letzten Untersuchung hatte mir Dr. Marpuk ein Aufbaupräparat gespritzt. Allerdings hatte das wenig geholfen. Mein Körper braucht den Aufbau nicht. Meine Seele ist leer! Sie braucht Heilung! Es verfolgt mich bis in meine Träume, dass ich meiner Mum kein guter Sohn sein konnte. Wie kann sie mir je verzeihen, dass ich sie alleine ließ? Wie kann sie mir vergeben, dass ich sie auf ihrem letzten Weg nicht begleiten konnte?

  

Tag 144, Labortagebuch:

 Freilandbericht. Serie PF56 wurde vor sechs Tagen Mehltau ausgesetzt. Keine erkennbaren Spuren. Blätter und Stängel satt grün. Keine Anzeichen von Krankheit. Neue Triebspitzen zu sehen. Vereinzelt Blütenansätze vorhanden. Wurzelballen fest und gut durchwurzelt. Keine Blindwurzeln. Die Mutation scheint stabil zu sein. Hier können weitere Versuchsreihen gezogen werden. Test mit Schädlingen der Stufe 2 wird vorbereitet.

 

Tag 149, persönliches Tagebuch:

 Heute habe ich mich mit Anna Martinez getroffen. Wir haben schon seit einigen Wochen Kontakt miteinander. Sie ist eine tolle Frau. Wir hatten uns im Freigelände verabredet. Dort gibt es zwei, drei Plätze, wo man trotz der ständigen Überwachung noch ungestört sein konnte. Sie war genauso traurig über Mums Tod wie ich. Sie fühlte mit mir. Sie spendete mir Trost. Vor zwei Stunden habe ich sie dann das erste Mal richtig gesehen. Wir gingen sogar das Risiko ein, unsere Helme abzusetzen. Ich denke, dass das unbedenklich ist. Schließlich sind wir in den letzten Monaten ein Teil dieser Biosphäre geworden. Die Anpassung unserer Körperchemie dürfte abgeschlossen sein. Es ist sowieso unlogisch, hier im Freigelände mit Sicherheitsanzug zu arbeiten. Die Pflanzen sind schließlich schon entwickelt und hier draußen wird nur die Wirkungsweise der Manipulation getestet. Aber nun gut, Gentec will, dass wir überall in der Biosphäre diese Dinger tragen, dann tun wir es auch. Doch ich schweife zu weit ab.

Oh Anna. Es war berauschend, ihr schönes Gesicht zu sehen. Diese feinen Linien! Die zarte, leicht gebräunte Haut, wie Milchkaffee. Dazu das rabenschwarze Haar, das sie wegen des Helmes aufgesteckt trägt. Wie lang es ist, kann ich nur erraten. Auch ihre Gestalt bleibt mir verborgen. Diese Anzüge sind alles andere als figurfreundlich. Aber ich erahne unter diesem ganzen Zeug eine Schönheit. Mir wird ganz anders, wenn ich an sie denke. Ihre Augen, diese wunderschönen Augen, die an dunkle Kirschen erinnern!

Mum, wenn du sie nur sehen könntest! Sie ist so schön! Und ich bin verliebt! Verzeihe mir, wenn ich meine Trauer derart an die Seite schiebe. Aber sie ist die Zukunft für mich. Falls sie mich will und wir irgendwann Kinder haben, dann wird ein Mädchen deinen Namen tragen. Das verspreche ich dir!

 Tag 157, persönliches Tagebuch:

 Anscheinend bin ich sehr anfällig für Krankheiten. Dr. Marpuk hat mir ein neues Mittel gespritzt. Immer noch juckt es auf der Haut. Sogar kleine Pickel haben sich gebildet. Ich bin froh, wenn das vorbei ist.

Oh Mum, ich vermisse dich. Ich würde dir gerne Briefe schreiben, doch was nützt das, wenn sie dich nur im Grab erreichen? Meine Versuchsreihen waren bisher ohne Erfolg. Wird also eher nichts mit Fertigwerden vor Vertragsende. Ich war wohl zu optimistisch. Leider haben die Schädlinge immer wieder zugeschlagen. War's nicht Mehltau oder irgendein Schädling, dann was anderes. Doch ich gebe nicht auf. Irgendeine Manipulation wird es geben, die den Schädlingsbefall ausgrenzt. Die Arbeit gibt mir neue Stärke. Ich bedauere allerdings weiterhin, dass ich mit meinen Kollegen nur über Headphone kommunizieren kann.

 Tag 160, persönliches Tagebuch:

 Erneut traf ich Anna. Wir sprachen lange miteinander. Tauschten Erinnerungen aus. Es tut gut mit jemandem zu reden, der einen versteht. Ich komme mir nicht mehr so einsam vor. Ich hoffe nur, man entdeckt unsere Treffen nicht. Das würde für uns beide Konsequenzen haben. Aber ich kann nicht anders. Ich muss sie sehen! Sie ist so wunderschön! So einfühlsam! Ich kann nur noch an sie denken.

 Tag 173, persönliches Tagebuch:

Allmählich scheinen meine Versuche Erfolge zu bringen. Ich bewege mich auf dem richtigen Weg. Zwei meiner Versuchsreihen haben sich als resistent gegen Schädlinge der Stufe 1 erwiesen. Ein kleiner Erfolg. An diesen kann ich weiterarbeiten.

In ein paar Tagen habe ich die nächste Untersuchung. Hoffentlich bleibe ich diesmal von einer Spritze verschont. Ich komme mir schon vor wie eine Laborratte. Mum hat mir immer gesagt, dass ich Spritzen gehaßt habe. Deshalb hatte sie mich niemals impfen lassen. Nun ja, jetzt habe ich, glaube ich zumindest, sämtliche Impfungen nachgeholt. Mittlerweile habe ich mich auch einigermaßen damit abgefunden Mum nicht mehr zu sehen. Es ist immer noch sehr schmerzlich für mich. Doch die Tabletten von Dr. Marpuk haben mir sehr geholfen. Jedenfalls sind die Depressionen verschwunden. Ich kann mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren.

 Tag 175, persönliches Tagebuch:

 Wieder habe ich mich mit Anna getroffen. Sie erwidert eindeutig meine Gefühle! Wir verstehen uns sehr gut. Ich bin der glücklichste Mann der Welt! Auch sie bleibt fünf Jahre in der Biosphäre. Wir reden auch über die Arbeit. Anna stören die ständigen Kameraüberwachungen und die übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen ebenfalls. Doch sie meint, das wäre für die begrenzte Zeit durchaus zu ertragen. Nur danach wolle sie keine Kamera und keinen Sicherheitsanzug mehr sehen. Mal sehen, ob sie das schafft. Sie ist schließlich Wissenschaftlerin, wie ich. Und bei mir bin ich zumindest sicher, dass ich so einen Job auch ein weiteres Mal annehmen würde. Anna ist so eine wundervolle Frau. Ich fühle mich wie auf Wolken!

 Tag 180, persönliches Tagebuch:

 Heute hatte ich meine regelmäßige Untersuchung. Dr. Marpuk meinte, es wäre alles in Ordnung. Nur meine ständigen Kopfschmerzen bereiteten ihr Sorge. Sie gab mir Tabletten mit, die ich einnehmen sollte. Mal sehen, ob die was bewirken. Morgen wird die Versuchsreihe YP69 ins Freiland gesetzt. Ich bin gespannt, wie die sich entwickelt.

  

Tag 189, Labortagebuch:

 Versuchsreihe YP69. Nachtrag. Die Auspflanzung ins Freiland war offensichtlich zu früh. Bereits einen Tag nach Aussetzen in nährstoffreichen Boden war eine Gelbfärbung der Blätter zu beobachten. Es folgte Wasserverlust. Der Wurzelballen war vor der Auspflanzung gut entwickelt. Die Setzlinge verdorrten, trotz ausreichender Bewässerung. Verfärbung der Blätter erfolgte äußerst schnell. Es ist Schlaffheit der Blätter und Verlust der Standelastizität nach drei Tagen zu vermerken.

Heute wurden die Setzlinge aus dem Boden entfernt. Wurzelballen degeneriert. Feuchtspuren. Vereinzelt Schimmelbildung zu beobachten.

 

Tag 191, persönliches Tagebuch:

 Die Tabletten scheinen zu wirken. Jedenfalls sind die Depressionen verschwunden, wie auch der Kopfschmerz. Manchmal fühle ich mich regelrecht euphorisch. Beim Lauftraining auf dem Band habe ich gedacht, ich zerschmelze. Auch die Arbeit geht mir besser von der Hand. Für das Mehltauproblem bei Reihe RT47 habe ich sogar eine Lösung gefunden. Doch allmählich vermisse ich die Außenwelt. Hier in der Sphäre wird zwar Etliches geboten, um uns bei Laune zu halten, doch nichts kann mir die Gespräche mit Freunden ersetzen. ... Oder mit Mum. ... Oder die Besuche im Theater. ... Oder ...

Es gäbe noch etliches mehr, was ich vermisse. Die bei Gentec hatten davor gewarnt. Sie hatten gesagt, dass es schwer werden würde. Wenn ich mich wenigstens mit den anderen Wissenschaftlern austauschen könnte ...

Tag 205, persönliches Tagebuch:

 Es gab einen Unfall. In Sektor 3 gab es ein Feuer. So wird jedenfalls berichtet. Ich habe die Sirenen gehört. Pia ist tot ! Im internen Netz wird nichts über ihren Tod berichtet. Kein einziger Hinweis. Etwas Ungewöhnliches muss passiert sein. Ich spüre es im kleinen Finger. Es gab eine dumpfe Explosion. Selbst in meinem Labor haben die Gläser leise geklirrt. Zuerst habe ich gedacht, im Versorgungszentrum sei ein Generator in die Luft gegangen. Einige Zeit später habe ich es dann erfahren: Pias Labor ging in die Luft und sie kam dabei ums Leben. Zu schade, dass ich sie nicht näher gekannt habe. Dieser Unfall führt mir wieder die eigentliche Gefahr dessen vor Augen, was wir hier erforschen. Genmanipulationen sind gefährlich. In der einen oder anderen Weise. Mir ist zwar nicht ganz klar, wie es eigentlich zu einer Explosion kommen konnte, aber ich habe sie gespürt. Ich hoffe nur, dass meine Getreidesetzlinge nicht den Gegenschlag planen. ... Klingt das nicht verrückt? Aber es ist ja mein Tagebuch, da kann ich schreiben, was ich will.

Ich muss unbedingt Anna sehen. Das Leben ist viel zu kurz.

 Tag 253, persönliches Tagebuch:

 Endlich haben wir es wieder geschafft, uns zu sehen. Der Tod Pias verfolgt uns. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Kuppel sind verschärft worden. War es tatsächlich nur ein Unfall, wie man es uns glauben macht? Wir sind uns nicht so sicher. Aber wer hätte Interesse an Pias Tod? Wir zumindest nicht. Also scheidet jeder der Wissenschaftler in der Sphäre aus.

Eng umschlungen saßen wir eine ganze Weile unter dem dichten Blätterwerk. Pias Tod hatte uns unsere eigene Sterblichkeit vor Augen geführt. Die Nacht wurde äußerst lang. Nie werde ich diese Stunden vergessen! Es war berauschend. Annas Haut, wie Samt. Sie duftet so süß. Wie ein Hauch von Vanille. Ihre Haare fallen ihr offen bis auf die Hüften hinunter. Ein rabenschwarzer Vorhang aus purer Seide. Sie kitzeln auf der Haut. Was bist du schön! Was begehre ich dich! Geliebte Anna.

 Tag 255, persönliches Tagebuch:

 Heute war ein verrückter Tag. Mein Rechner hatte alles getan, nur nicht funktioniert. Es fing damit an,  dass ich eine kurze mail von Pia bekam. Aber sie ist doch schon über einen Monat tot? Sie muss sie aus irgendeinem Grund mit einer Zeitschleife versehen haben. Da nichts Wichtiges darin enthalten war, habe ich sie gelöscht. Nach einigen Minuten spielte dann mein Rechner verrückt. Er spuckte Datenreihen aus, die keinen Sinn ergaben. Eigentlich nur totaler Schwachsinn – völlig unzusammenhängend. Irgendwie waren die Daten falsch. Die Informationen, die der Computer anzeigte, konnten nicht stimmen! Sogar bei grober Schätzung, waren diese Datenströme Hirngespinste ersten Ranges.

Rasch überflog ich die Dateien. Selbst ohne große Analyse konnte ich sagen, dass diese Datenmüll sein mussten. Trotzdem war ich fasziniert und starrte auf den Bildschirm. Hier musste ein großer Fehler vorliegen. Waren das alte Daten? Warum waren sie dann nicht gelöscht? Vor allem, wie kamen sie auf meinen Rechner? Ich konnte mich nicht erinnern, andere Dateien als meine eigenen geöffnet zu haben. An manchen Stellen bot dieser Datenmüll jedoch interessante Ansätze. Gerade das richtige, um ein wenig Gehirnjogging zu betreiben. Also habe ich mir das Zeug auf meinen Palmtop geladen. Da kann ich dann später in Ruhe drüber nachdenken.

Leider müssen wir fehlerhafte Dateien dem Administrator melden. Was ich auch pflichtbewußt getan habe. Allerdings dauerte es keine fünf Minuten, bis drei Techniker in meinem Labor unruhig den Rechner auseinandernahmen. Nach einer knappen Stunde des Suchens und Schraubens an der Hard- und Software des Gerätes hatte man die Ursache immer noch nicht gefunden. Also schien wohl doch alles in Ordnung mit meinem Rechner zu sein. Oder?

Etwas Unbestimmtes ließ mich unruhig werden. Ich kann nicht sagen, warum, aber etwas war hier faul. Fast konnte ich den Geruch wahrnehmen. Ich beobachtete die hektische Betriebsamkeit um mich herum. Irgend etwas stimmte nicht in diesem Bild. Es war nur ein Gefühl, doch es beunruhigte mich. Erst diese sehr verspätete mail von Pia, dann dieser Datenmüll. Warum war der eine Techniker so wütend? Seine Worte höre ich jetzt noch in meinen Ohren.  Obwohl er so leise gemurmelt hatte, dass ich kaum etwas verstanden habe.

»Ich frage mich, warum für einen NN 4 soviel Aufwand betrieben wird. Ist doch alles Humbug mit diesen NN's. Diese genmanipulierten Affen sollten sie doch alle abschießen. Wegen denen müssen wir dauernd Überstunden schieben. Liebe wäre ich bei Rose unter einer warmen Decke. Scheiß... «

Ich habe keine Versuchsreihe mit der Bezeichnung NN. Und soviel mir bekannt ist, gibt es in ganz Gentec keine Serie mit der Registrierung NN.

Das Merkwürdigste aber war, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, ich könne die Hirnströme dieses Technikers wahrnehmen. Bilder blitzten vor meinem Auge auf. Babys in Brutkästen. Eines neben dem anderen. Alle hatten kleine Schildchen an den winzigen Füßen. Das Bild einer hübschen Frau. Rose? Zwei kleine Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Sie tobten durch einen Garten. Ein Labor, die Arbeiter trugen Hochsicherheitskleidung. Das Logo von Gentec an einer Tür. Dann wieder ein Baby. In einem geschlossenen Container wurde es über den Flur gerollt. Es bewegte sich nicht. War es tot? Ein Arbeiter in Hochsicherheitskleidung schob den Container vor sich her. Der Blick fokussierte auf ein kleines Schildchen an der Seite - NN216.

Was war mit mir geschehen? Bisher hatte ich immer gedacht, ich wäre sehr sensibel für die Gefühle anderer Menschen. Aber was war das hier? Hatte ich zuviel halluzinogenes Gas abbekommen? Ich kann mich nicht erinnern, so etwas in meinem Labor zu besitzen. Und Hanf gehört eindeutig nicht zu den Getreidesorten. Was war es dann?

 Tag 256, persönliches Tagebuch:

 Heute hat man den kompletten Rechner in meinem Labor ausgetauscht – und nicht nur in meinem. In der gesamten Sphäre wurden Computer ausgewechselt. Also war das ein allgemeines Problem gewesen. Womöglich gar ein Computervirus. Die Techniker waren äußerst ungehalten. Sie kamen am Vormittag und wollten meine Arbeit stören. Angeblich müsse das Problem sofort beseitigt werden. Ich habe dem einen Techniker dann klar gemacht, dass ich hier forsche und kein Büro unterhalte. Er solle am Nachmittag kommen, wenn ich im Freigelände wäre. Das hat ihm nicht gepaßt. Also musste ich drastischer werden. Ich habe ihm vorgerechnet, wie viel eine einzige Versuchsreihe kostet. Sein hochrotes Gesicht kann ich immer noch vor mir sehen. Auch sein Blick, der zur Überwachungskamera ging. Warum schaute er da hinauf?, fragte ich mich. Es ist doch nur eine von hundert, die über die gesamte Biosphäre verstreut sind. Bis heute hatte ich ihnen keine weitere Bedeutung beigemessen. Wenn er nicht auch diesen Hochsicherheitsanzug getragen hätte, dann hätte er sich vermutlich seine drei Haare gekratzt, die er auf dem Kopf hatte. Aber jeder, der von außerhalb die Sphäre betritt, musste diesen Anzug tragen. Es dürfen keine Fremdbakterien oder irgendwelche Viren in die Sphäre geschleppt werden. Das würde unsere Forschung verfälschen.

Allerdings konnte ich in dem Helm das Betriebslämpchen der Überwachungskamera kurz flackern sehen. War das Zufall? Jedenfalls war der Techniker danach sehr zugänglich. Die Computeranlage würde also am Nachmittag abgebaut werden.

Während ich im Freigelände war, konnte ich die ganze Zeit nur an diese Situation denken.

Warum hatte der Techniker zu der Kamera gestarrt? Und warum hatte das Lämpchen geflackert? Ein Signal? Überall hingen die Dinger. Alles, was in der Biosphäre geschah, wurde aufgezeichnet. Halt ... auch meine Bewegungen werden aufgezeichnet. Wie alles, was wir Wissenschaftler taten. Wirklich alles? Auch in der Schalldusche hing so ein Gerät. Warum ausgerechnet da? Das war doch wirklich nicht nötig.

Mir ist zwar klar, dass jedes Teil, Ding oder was auch immer die Biosphäre verläßt, sorgfältig eingeschweißt, beschriftet und durch eine spezielle Schleuse hinausbefördert wird. Sogar die Exkremente von uns werden aufgefangen und wie hochbrisanter Bioabfall behandelt. Bis heute erschien mir das auch natürlich. Da man hier mit Neuzüchtungen Langzeitversuche unternahm, war es durchaus im Rahmen des üblichen, dass alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden, um eine Einflussnahme von außerhalb zu unterbinden. Manches war zwar übertrieben, aber Gentec wollte wohl kein Risiko eingehen. Oder ist etwa mehr an der Sache, als ich denke? Soll ich mit Anna darüber sprechen? ... Nein, nicht solange ich im Ungewissen bin. Es wäre schlecht, Gerüchte zu streuen.

 Tag 257, persönliches Tagebuch:

 Heute war ich viel im Freigelände unterwegs. Der Datenmüll, der sich auf meinem Rechner befand, beschäftigt mich immer noch. Mittlerweile habe ich einen neuen Computer da stehen. Jetzt scheint er einwandfrei zu funktionieren. Während ich meine Versuchsreihen draußen besuchte, zogen die unzusammenhängenden Daten an meinem inneren Auge vorbei. Gelegentlich verharrte ich an einer Stelle und dachte darüber nach. Plötzlich stachen ein paar Daten glasklar hervor.

Ich hatte Angaben zu einer Versuchsreihe vor mir, die nicht existierte! Eine Reihe mit NN-Klassifizierung. Unterzeichnet von einer Frau - Dr. Marina Marpuk.

Serie NN-3 ... Meine Gedanken bewegen sich im Kreis. Ich muss unbedingt meine Erinnerung mit meinem Palmtop abgleichen. Dort waren die Daten weiterhin gespeichert. Selbst während der Ruhephase um die Mittagszeit sah ich die Datenströme vor mir. Es war äußerst seltsam. Diese Fähigkeit hatte ich in meiner Studienzeit antrainiert. Ich schob die Daten hin und her. Von allen Seiten betrachtete ich sie. Dann endlich hatte ich den Schlüssel!

Kerzengerade saß ich in meiner Koje. Mein Blick ging zur Kamera hoch. Ich muss hier raus. Weg von den Kameras. Ich muss denken. Ich muss die Daten vergleichen. Habe ich etwas übersehen? Ist meine Analyse falsch? Fehlte eine Datenreihe. Ich musste unbedingt an meinen Palmtop. Etwas früher als gewöhnlich machte ich mich auf den Weg ins Freigelände. Dort gab es ein paar Plätze, die ohne Kamera waren. Im Schutze der dichten Vegetation hockte ich auf dem Boden. Rasch rief ich die Daten aus dem Palm ab und scrollte sie herunter. Aufmerksam verfolgte ich jeden Datenstrang. Plötzlich wurde mir eiskalt. ...Da kommt jemand! Ich muss aufhören. Ich muss ein anderes Tagebuch finden.

 Tag 258, persönliches Tagebuch:

 Der Palmtop ist doch am sichersten. Also werde ich weiterhin meine Einträge in dieses kleine Gerät machen. Aber ich werde ihn hier im Freigelände lassen. Gut eingehüllt in eine Folie. In den Wurzeln wird ihn keiner finden. Niemand schaut dort nach. Ich kann immer noch nicht begreifen, was ich in der Datenmenge gefunden habe. Es kann einfach nicht sein! Ich muss eine erneute Analyse durchführen.

 Tag 259, persönliches Tagebuch:

 Ich hatte Recht! Oh verdammt, ich hatte Recht. Selbst nach dreimaliger Analyse komme ich zum gleichen Ergebnis. Serie NN ist ein Menschprodukt! - Sie haben Menschen gezüchtet! Menschen! Mir wird übel, wenn ich daran denke. Mein Magen dreht sich um. Ich muss ... Danach ging es mir besser. Jetzt habe ich meinen Verstand wieder sortiert.

Die Konsequenz dessen, was ich in den Daten fand, löste Entsetzten in mir aus. Sie züchten Menschen! Schon allein dieser Gedanke ist grauenhaft. Wer weiß, was ich in den restlichen Datenreihen finde. Ein mulmiges Gefühl steigt in mir auf. Der Druck im Magen verschwindet nicht. Die Nase ist leicht verstopft. Bekomme ich jetzt doch eine Erkältung?

 Tag 260, persönliches Tagebuch:

 Anna ist krank. Sie hat mich kurz kontaktiert. Ihr ginge es nicht gut. Ihr sei übel und sie habe Kopfschmerzen. Haben wir beide uns in unserer Liebesnacht erkältet? Ich mache mir Sorgen um sie.

Die Verstopfung in meiner Nase ist dagegen verschwunden. Jetzt habe ich nur noch Kopfschmerzen. Leicht, aber kontinuierlich bohrt sich der Schmerz bereits den ganzen Tag durch mein Hirn. Das Denken wird dadurch erschwert. Ist, glaube ich, auch gut so. Ich möchte gar nicht so schnell wissen, was sich hinter den Restdaten verbirgt.

 Tag 262, persönliches Tagebuch:

Der Watteschädel ist weg. War wohl doch nur ein kurzer Schnupfen. Auch der Kopfschmerz ist verschwunden. Jetzt kann ich wieder klar denken. Ich werde mich morgen noch mal mit den Daten auseinandersetzen. Heute muss ich zuviel im Labor aufarbeiten. Da bleibt für Hirngespinste keine Zeit.

Ich habe gehört, dass man Anna in die Krankenstation gebracht hat. Hoffentlich ist es nichts Ernstes. Ich bin äußerst besorgt. Anna, werde wieder gesund. Bitte!

Tag 264, persönliches Tagebuch:

 Ich bin verzweifelt. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Warum musste ich nur die Daten analysieren? Verdammte Neugier. Doch je länger ich die Daten auswerte und extrapoliere, desto klarer wird das Bild. Ich muss erst nachdenken.

 Tag 265, persönliches Tagebuch:

 In der letzten Zeit, seitdem mein Rechner diese Fehlfunktion hatte, habe ich mich ein wenig in der Sphäre umgeschaut. Es fällt deutlich auf, dass bestimmte Bereiche äußerst scharf gesichert sind. Da kommt nicht einmal eine Mikrobe ungesehen hinein. Auch das hohe Aufgebot an Wachleuten ist auffällig. Selbst die Rechner werden jetzt im Abstand von wenigen Tagen gewartet. Dies erschwert unsere Arbeit doch stärker als wir dachten. Von den anderen hörte ich auch bereits Unmutsäußerungen. Ramon überlegt sogar, ob er vorzeitig aus dem Vertrag aussteigt. Dieser Sicherheitswahn geht ihm gewaltig auf die Nerven. Wir betreiben doch hier nur Neuzüchtung von bestimmten Pflanzen und Tieren! Selbst wenn wir hier an streng geheimem Zeugs arbeiten - es ist doch nur für die Agrarwirtschaft. Nichts ist hier so dermaßen wichtig, dass es eine solch drastische Art der Sicherung rechtfertigen würde.

Oder übersehe ich etwas? Es ist merkwürdig, dass die Daten kurz nach Pias mail aufgetaucht sind. Hatte sie was damit zu tun? Hat sie vielleicht an dieser Versuchsreihe mitgearbeitet?

 Tag 266, persönliches Tagebuch:

 Jetzt kann ich klar meine Gedanken niederschreiben. Erst musste ich meinen inneren Aufruhr unter Kontrolle bringen. Doch es bleibt auch jetzt noch unbeschreiblich. Ich werde mich trotzdem bemühen, Worte für das Unfaßbare zu finden.

Gentec betreibt Genmanipulation am Menschen! Und ich bin eines ihrer Produkte! Klassifizierung NN408. Das achte Konstrukt der Serie 4. Das genetische Material stammte zygotisch von Dr. Marina Marpuk, die wohl diese Reihe betreute. Woher die restlichen Gene stammten, war nicht nachzuvollziehen. Jedenfalls nicht aus diesen Daten.

Das muss ich erst einmal verdauen. Bisher habe ich immer gedacht, ich hätte ein normales Leben geführt. Aufgewachsen bei den Eltern mit einer normalen Jugend. Schulzeit ohne Besonderheiten. Danach Studium und anschließend Promotion. Ich erinnere mich sogar daran, direkt von der Universität nach Gentec Industries abgeworben worden zu sein.

Aufgrund meiner Dissertation hatte ich mich für das Biosphere-21-Projekt beworben. Klar und deutlich sehe ich vor mir, wie ich den Briefumschlag mit der Zusage öffnete. So dachte ich jedenfalls. Bisher hatte ich mich für einen Wissenschaftler gehalten. Ich arbeitete und forschte. Oder etwa nicht?

Und jetzt soll alles anders sein? Mark Maripuna ein Produkt genialer Genmanipulation? Es ist Irrsinn. Und doch wohl wahr. Anders kann man die Daten nicht interpretieren. Aber was soll das Ganze? Warum züchten sie Menschen? Für die Raumfahrt? Für die Medizin, als willenlose Versuchssklaven? Für die Forschung? Für ich-weiß-nicht-was? Was geschieht mit mir? Ich muss schlafen. Vielleicht ist alles nur ein Albtraum, aus dem ich erwache.

 Tag 267, persönliches Tagebuch:

 Es ist kein Albtraum. Ich bin aufgewacht und immer noch stehen die Daten im Raum. Mir ist heiß. Die Aufregung? Wieder lasse ich den Datenstrom auf mich wirken.

Gezeugt im Reagenzglas, herangereift in einem Brutkasten. Ausgestattet mit Hormonen, die ein schnelles Wachstum förderten. Weniger als ein Jahr dauerte die Reifung bis zu dem Alter, in dem ich jetzt bin.

Meine ganzen Erinnerungen wurden eingepflanzt - waren nicht wirklich erlebt. Zu dem manipulierten Körper ein manipuliertes Leben – irgendwie passend. In letzter Konsequenz bedeutete das für mich, dass Mum und Dad  gar nicht existiert haben. Die ganze Liebe die sie mir entgegenbrachten, alles, was ich für sie empfunden hatte – nur Schall und Rauch. Es schmerzt mich. Die Erinnerungen sind so real. Wie kann das sein? Wie kann das sein? Stechender Kopfschmerz. Ich kann nicht weiterschreiben. Ich kann nicht ...

 Tag 270, persönliches Tagebuch:

 Die nächste Untersuchung stand an. Diesmal habe ich mich ein wenig umgesehen. Es fällt mir auf, dass dieser Bereich der Biosphäre extrem gut gesichert ist. Ich denke, nicht einmal die National Desease hat solche Maßnahmen. Die meisten Türen, die vom Gang abzweigen, scheinen Schleusen zu sein. Geschützt durch verschiedenste Maßnahmen. Ich sah Tastenfelder, Daumen- und Augenscanner.

Wurde hinter diesen Türen an der Serie NN experimentiert? Was verbarg sich dahinter? Labore? Brutstationen? Oder was sonst? Alles wurde von Kameras überwacht. In jeder Ecke war so ein Ding angebracht. An manchen Stellen patrouillierten Wachtposten – schwerbewaffnet und im Sicherheitsanzug. Keine Chance für mich,  ungesehen zu einer der Türen zu gelangen. Jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt. Ich muss weiter beobachten. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit in ein paar Wochen. Jedes System hat eine Lücke, und sei sie noch so klein. Ich muss sie finden und nutzen.

Ich hoffe, niemand hat etwas von meiner Neugier bemerkt. Aber ich denke, dass nichts aufgefallen ist. Obwohl ich Marina Marpuk diesmal aufmerksam gemustert habe. Schließlich stammt ein Teil meines Genpools von ihr. Doch ich kann keine Gefühle für sie entwickeln. Sie ist eine Fremde. Angeblich erkennt der Körper seinen Ursprung. Doch meine Zellen – nein, mein Unterbewußtsein reagiert nicht auf die Tatsache, dass sie biologisch meine Mutter ist.

Mein Herz und jede Faser meines Körpers trauert weiterhin um Mum. Die Frau, die man mir als Erinnerung eingepflanzt hat.

 Tag 273, persönliches Tagebuch:

 Oh Gott, Anna. Was habe ich dir angetan? Wenn ich den Daten Glauben schenken darf, dann bist du bereits tot. Warum? Warum haben wir das getan? Es war doch so schön. Du warst so schön. So wunderschön. Anna, ich liebe dich. Ich hätte dich nicht berührt, wenn ich es gewußt hätte. Tränen, so viele Tränen. Kopfschmerz. Mir ist ganz heiß. Anna, Anna, ... wo bist du?

Ich habe die genetischen Manipulationen alle entschlüsselt. Wenn ich die Daten richtig interpretiere, und davon gehe ich einfach mal aus, so existiert kaum eine Gensequenz in mir, an der nicht manipuliert worden war. Selbst wenn mir einige Datenreihen fehlen – die logische Konsequenz der mir vorliegenden Informationen ist alleine schon grausig genug.

Mein Genmaterial ist sorgfältig von allen Fehlern gereinigt worden. Etliche Merkmale und spezielle körperliche Fähigkeiten wurden verstärkt. Deshalb besitze ich ein so hervorragendes Gedächtnis. Muss ich auch haben, wenn man mir meine ganzen Erinnerungen in zwei Wochen eingetrichtert hat. Mein Körper war extrem ausdauernd und resistent gegen die meisten Krankheitserreger konstruiert worden. Vor allem gegen die, welche ich beherbergen sollte.

Mark Maripuna, eine lebende Biogenetische Bombe!!

Mein Körper wimmelt von Viren, die für andere Menschen tödlich sind. Körperlicher Kontakt oder Beischlaf war für meine Mitmenschen eine tödliche Gefahr, sobald ich mit den Viren präpariert worden bin. Dafür wurde ich konstruiert. Der perfekte Killer. Deshalb die ganzen Schutzanzüge in der Sphäre! Deshalb diese Hochsicherheitsmaßnahmen!

Wem würde ein einzelner Mensch auffallen? Wer würde vermuten, dass ich im Falle einer Epidemie der Patient 0 wäre? In den Augen seiner Konstrukteure schien ich annähernd perfekt zu sein. Ein lebendes Virentransportbehältnis! 

Ich muss hier raus! Ich muss die da draußen warnen! Ich muss einen Weg finden, Kontamination von Mitmenschen zu vermeiden. Ich muss einen Weg finden ... Anna hilf mir. Was soll ich tun? Was soll ich tun?

 Tag 275, persönliches Tagebuch:

 Heute haben sie uns offiziell von Annas Tod in Kenntnis gesetzt! Sie sagen, es wäre ein Unfall gewesen. Ha, das ich nicht lache. Unfall! Ich weiß es besser! Was haben sie dir angetan? Was habe ich dir angetan! Ich bin Schuld an deinem Tod. Hätte ich mich nicht in dich verliebt, dann würdest du noch leben! Ich verfluche den Tag, als ich dir begegnete ... nein – ich verfluche ihn nicht. Sonst hätte ich nie die Liebe kennengelernt. Oh Anna ... wo bist du?

Es sind bereits zwei neue Wissenschaftler auf Pias und Annas Stelle gesetzt worden. Ich bin mir jetzt sicher, dass Pias Tod ebenfalls kein Unfall war. Ich vermute, dass sie wie ich war - ein genetisches Konstrukt. Ihr Name deutet darauf hin. Der Stolz des Wissenschaftlers ist seine größte Fallgrube. Marina Marpuk, die hochmütige medizinische Leiterin von Biosphere-21 hat nicht nur ihre Eier für die Manipulationen gegeben, sondern war auch noch so dreist, ihren Konstrukten ihr Siegel aufzudrücken. Mark Maripuna oder Pia Mari Nurmak. Völlig egal. Es sind ein und dieselben Buchstaben – Marina Marpuk.

Jetzt ist mir auch klar, warum Pia mir diese mail geschickt hat. Sie wollte mich warnen! Sie hatte ebenfalls herausgefunden, was hier geschah. Sie muss mir die Daten geschickt haben.

Einige Tage habe ich darüber nachgedacht, was ich tun kann. Vor fünf Tagen war ich erneut zu einer medizinischen Untersuchung gewesen. Alles verlief normal. Die Untersuchung, die Spritzen, einfach alles. Ich würde nur zu gerne wissen, was sie mir injizieren. Sind es die Viren oder Antikörper oder was sonst? Wird vielleicht der nächste Virus in mir getestet? Will man wissen, wie viele verschiedene Biester ich beherbergen kann? Meine Haut ist leicht gerötet, dort wo sie eingestochen hat. Sieht aus wie eine Allergie. Auch die Kopfschmerzen sind zurück. Diesmal stärker. Wieder hat man mir Tabletten gegeben. Ich wage nicht, sie nicht einzunehmen. Wer weiß, was dann geschieht.

Die letzten Tage habe ich meine Ruhephasen dazu genutzt, einen Fluchtplan auszuarbeiten. Allerdings muss ich dafür noch ein Weilchen hierbleiben. Irgendwie muss es mir gelingen an die Antikörper zu gelangen – falls es welche gibt. Immerhin will ich eine potentielle Kontaktperson nicht töten. Wenn es welche gibt, dann sind sie wohl bei MM im Labor. Gut weggeschlossen. Ich muss einen Weg finden ... Es darf nichts überstürzt werden. Das könnte mein Ende sein. Also weiterarbeiten und so tun, als sei nichts geschehen.

 Tag 300, persönliches Tagebuch:

 Heute lief eine weitere Untersuchung. Alles normal. Keiner hat bisher bemerkt, dass ich Bescheid weiß. Vom Untersuchungszimmer führt eine Tür in einen weiteren Raum. Diese ist auffällig verschlossen – zu auffällig. Fingerabdruckscanner und Augenscanner waren zu sehen. Zusätzlich war noch ein Codiergerät eingelassen – für Zahlenkombination und Magnetkarte. Dahinter muss sich MM’s Labor verbergen. Finde ich dort vielleicht auch die Antikörper?

Meine Versuchsreihen laufen gut. In meiner Forschung muss ich weitermachen wie bisher. Keine besonderen Vorkommnisse. Es ist sehr ruhig. Keinen Verdacht aufkeimen lassen. Die neuen Wissenschaftler habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen. Sie halten sich streng an die Anordnungen von Gentec. Es ist sogar ein weiteres Konstrukt dabei – Dr. Akim Punaramar. Angeblich indischer Abstammung. Das ich nicht lache. Der arme Kerl weiß gar nicht, was hier läuft. Aber ich.

In den letzten Wochen habe ich vorsichtig jeden Meter der Glaskuppel untersucht. Ich habe herausgefunden, wie der Rhythmus des Wachwechsels ist. Das Innere der Kuppel wird alle zwei Tage von einem unbemannten Versorgungsfahrzeug angefahren. Die Tore sind hermetisch verriegelt. Ebenso die einzelnen Sektionen. Ich muss mir einen Weg überlegen, wie ich hier herauskomme. Zaubern wäre schön, aber das funktioniert wohl nicht.

 Tag 337, persönliches Tagebuch:

 Das war für mich die letzte Untersuchung. Bis die nächste ansteht, muss ich hier verschwunden sein. Noch einmal kann ich sie nicht täuschen. Beinahe wäre ich aufgeflogen. Das Zeug, was sie mir diesmal gespritzt wurde, sei angeblich ein Aufbaupräparat. Ha, da kann ich nur lachen - Aufbaupräparat. Klingt völlig harmlos. Allerdings hat sie verschwiegen, dass dieses sogenannte Aufbaupräparat unglaublichen Juckreiz hervorruft. Stetiger Kopfschmerz ist seitdem mein Begleiter. Selbst mit den Tabletten geht er nicht weg. Ich fühle mich eher benebelt, als hätte ich zuviel Alkohol getrunken.

Es fällt mir unglaublich schwer, mich auf meine Umgebung zu konzentrieren. Und dabei meine Flucht weiter vorzubereiten. Es dauerte lange, aber ich denke, ich habe eine Lücke im System gefunden. Es ist gefährlich! Ich muss durch die ganzen Ringe durch. Etliche Schleusen muss ich ungesehen durchqueren. Und vor allem zuerst an die Antikörper gelangen. Es ist kaum zu schaffen. Doch in der nächsten Nacht will ich es wagen. Anna ... das tue ich für dich. Dein Tod darf nicht umsonst sein!

 Nacht 337, persönliches Tagebuch:

 Vielleicht ist dies mein letzter Eintrag, vielleicht auch nicht. Ich habe Angst! Aber um Annas Willen muss ich es versuchen. Sonst war unsere Liebe ohne Wert und ohne Sinn. Ein letztes Mal habe ich mich an unseren Platz zurückgezogen. Immer noch erscheint es mir, als könne ich ihren zarten Vanilleduft atmen. Ihre samtweiche Haut fühlen. Ihren warmen Atem, der über meine Haut streicht. Ich schließe die Augen und sie ist bei mir. Anna, du fehlst mir so!

Die Vegetation gibt mir Deckung. In zwanzig Minuten ist es soweit. Dann wird sich das große Sicherheitstor öffnen und der Versorgungswagen wird einfahren. Die Wachtposten werden zu diesem Zeitpunkt nicht am Tor sein. Es genügt hier ein einziger Mann als Beobachter. Im Schatten des Versorgungswagens müsste es mir gelingen, in die innere Schleuse zu gelangen. Wenn ich erst einmal dort bin, muss ich einige Minuten warten, bis sich das nächste Tor öffnet. Immer noch versteckt hinter dem Wagen würde ich die nächste Schleuse passieren. Falls das Glück mit mir ist, so würde ich zehn Minuten später in MM’s Labor sein und eine halbe Stunde danach an der frischen Luft.

Gott steh mir bei. Es ist meine einzige Chance lebend hier herauszukommen. Ich spüre mein Herz laut in meiner Brust schlagen. Angst macht sich breit. Ich hatte das Tor jetzt oft beobachtete. Ich wusste, wann es ungefährlich sein konnte hindurchzugehen. Das gibt mir Hoffnung. Es war nicht leicht an die Schaltpläne für die Schleusen zu gelangen, aber ich habe es geschafft. Sie müssten recht einfach zu knacken sein. Wir werden sehen.

Diesen Palmtop lasse ich hier, unter den Wurzeln. Falls ich es nicht schaffen sollte ... vielleicht findet ein anderer aus der NN-Reihe dieses Teil. Schließlich hat Pia mich auch gewarnt. Nebel legt sich über meine Gedanken. Stechender Kopfschmerz malträtiert mein Gehirn. Ich bete, ich hoffe ...

  

Tag 338, Laborbericht Nr. 4/08/1568:

 Versuchsreihe NN4, Objekt 08. Ansprache auf den Virus 3 der Gruppe 14 äußerst vielversprechend. Nur geringfügige Nebenwirkungen in Form von Juckreiz, Kopfschmerz und Desorientierung. Organisch keine Nebenwirkungen zu verzeichnen. Kontakt wird vorbereitet, Durchführung in 10 Tagen. Objekt 08 weist keine Abweichung in dieser Phase zu Objekt 07 der Reihe 3 auf.

Hautfarbe normal. Einstichstelle nicht entzündet, folglich keine Abwehrreaktion. Juckreiz nicht erklärbar. Vielleicht erneut Reaktion auf Trägersubstanz? Kein Fieber, keine Übelkeit, keine sonstigen Körperschmerzen. Alle Werte im grünen Bereich. Virus 3 der Gruppe 14 scheint in Objekt 08 den idealen Wirt gefunden zu haben. Vergleiche Virus 1 der Gruppe 14, Laborbericht 4/08/1510, Sektionsbericht AM-408/1.

Anmerkung: Trotz des guten Verlaufes schlage ich eine geringfügige weitere Genmutation vor. Die gezeigten Nebenwirkungen könnten damit eliminiert werden. Objekt 08 ist annähernd perfekt. Aus diesem Genpool sollten wir schöpfen.

  

Tag 338, Nachtrag zum Laborbericht Nr. 4/08/1568:

 Objekt 08 versuchte Testgelände zu verlassen. Der äußere Ring wurde kontaminiert. Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, wurde Objekt 08 isoliert und mit Gas der Gruppe Alpha 5 eliminiert. Die Leiche wurde der Hochinfektionsabteilung zur Sektion überstellt, Proben des Genmaterials   zur weiteren Untersuchung ins Labor geschickt.

  

Tag 345, 2. Nachtrag zum Laborbericht Nr. 4/08/1568:

Sektionsbericht wird dem Laborbericht beigefügt. Keine besonderen Merkmale. Die speziellen Werte aus der labortechnischen Untersuchung liegen ebenfalls der Akte bei. Viruswirkung wird bestätigt.

Reihe 4 hochkompatibel mit Virus 3 der Gruppe 14. Optimale Eigenschaften. Allergische Reaktion auf die Trägersubstanz bestätigt. Hier ist noch Handlungsbedarf. Zur Ergänzung und zum Vergleich ist der Sektionsbericht und die Laborberichte von A. Martinez beigeheftet. Alle Spezifikationswerte liegen hier im grünen Bereich.

Anmerkung: Die in den letzten Monaten beobachteten erhöhten Gehirnströme scheinen aus einer unbeabsichtigten Stimulans herzurühren. Mögliche Ursache liegt in der Erinnerungseinpflanzung. Die dafür notwendige Mutation ist zu beobachten und ggf. zu korrigieren.

Es wird vorgeschlagen eine weitere Versuchsreihe NN5 mit 10 Objekten zu starten. Reihe NN5 verspricht perfekt zu sein. Alle Genfehler der vorherigen Versuchsreihen wurden ausgeschaltet. Serienproduktion wird dadurch um ein weiteres Jahr verschoben. Zur Sicherheit wäre dies jedoch erforderlich. Allerdings kann mit den Vorbereitungen zur Serienproduktion parallel gestartet werden. Einsatzbereitschaft in voraussichtlich zwei Jahren.

 

Dr. Marina Marpuk

 

 

 

 

zurück